



vor der alten oper von paris.

die schreibtischlampe strahlt hell und zieht die flattertiere, die sich in meinem zimmer eingefunden haben, an. wie heißen die noch? lichtfalter? … ach, nachtfalter. die sind also schon wach. vorm fenster leuchtet surreal ein hellblauer himmel hinter schwarzgrünem laub; eine regnerische dämmerung steigt auf (warum nur heißt es immer “senkt sich”, wo sie doch eigentlich aufsteigt?), lieselotte, die betagte hundedame, schnarcht, und in der dorfkirche wird heut elektronische musik gemacht.
ich bin auf seite 7 von 17 und wünschte, ich hätte doch einen rotwein eingekauft. für die nachtschicht.

es wird sommer und es regnet leise. dazu schneit es weiß pollen vom nachbarbaum. die watteweißen pollenflocken legen sich auf das hofsofa, die tastatur, die wäsche, die seit ein paar tagen trocken an der leine hängt, auf des fleckenhundes nase und in den kaffee. irgendwann ist alles weißbeflaumt. von ferne kommt wie ein soundtrack zum gemächlichen flug der pollen techno, tauben gurren, jemand hat auflauf mit ziegenmilch gemacht und ruft zum essen.

bei meinem letzten parisbesuch heißt mich “le chat méchant” als erster willkommen. mit seinen spitzen zähnchen und scharfen krallen funktioniert er jedes sich bewegende wesen im raum in sein spielzeug um. doch genauso aufmerksam wie mich seine großen katzenaugen verfolgen, verfolgen meine blicke auch ihn – und die einzige ruhige minute, die er sich und mir an diesem wochenende gönnt, halte ich fest.
man könnte glatt meinen, sein kater sei lieb, staunt sein herrchen, als ich ihm das bild zeige.