



vor einigen jahren wurde diese fabrik aufgegeben. seitdem hat sich der ort grundlegend verändert. wo früher hektische aktivität herrschte, hat sich nun ruhe breitgemacht. die dinge wurden sich selbst überlassen.
in regelmäßigen abständen rattern auf den gleisen nebenan züge vorbei, dann herrscht wieder stille. aus ein paar rostigen tanks tropft langsam eine schwarze flüssigkeit auf den rissigen asphalt. der löwenzahn gedeiht dennoch. ich bin an einem warmen maiabend da, wenige stunden vor der dämmerung. mauerschwalben schreien beim rasanten flug zwischen den alten gebäuden.
die räume wurden anfang der neunziger scheinbar sehr plötzlich verlassen. schuhe stehen vor einer bank, das geschirr liegt noch im waschbecken einer kleinen küche, die pflanzen auf dem fensterbrett blieben der staubigen trockenheit überlassen. an den türen der spinde kleben aufkleber der parteien, die in der nachwendezeit eine bessere, reichere, schönere, gerechtere zukunft versprechen.
hin und wieder steigt jemand in das gebäude ein und bringt weitere unordnung in die dinge. nimmt etwas mit, einen stuhl oder tisch, ein paar lampen oder was man so zu brauchen meint. ich nehme bilder mit, solange die motive noch da sind.

jahreszeitlich gesehen habe ich durs grünbeins “vom schnee” knapp zu spät gefunden. zur arbeitsmotivation aber zum genau richtigen zeitpunkt. “vom schnee” erzählt von descartes’ winter in deutschland. und vom schnee, der abstrahieren hilft.

notre dame de paris
natürlich wollte ich in diese sich hoch in den himmel streckende kathedrale gehen, zum hunderttausendsten male, und die vielfarbig leuchtenden fensterrosen, die skulpturen in den portalen und die in schwindelerregende höhen laufenden streben bewundern. wie schon fast hunderttausende male zuvor hat mich der anblick der drängelnden menschenmenge vor den portalen eines besseren belehrt. gibt es noch stunden oder tage im jahr, an denen es in dieser kirche still ist und kein blitzlichtgewitter auf die besucher niedergeht ? einmal, vor längerer zeit, war ich zu einer messe dort und konnte die gesänge kaum verstehen.
am ende war ich jedenfalls doch nur im garten von notre dame. dort, ganz im osten, steht ein alter baum. er wächst nicht nach oben, sondern in bizarren formen zu den seiten hin, und seine dicken äste müssen von holzpflöcken gestützt werden. von hier aus kann man sich in ruhe die gut 800 jahre alte kathedrale anschauen. wie alt mag wohl der baum sein ?

baum im garten der notre dame
der nachbarskater wurde heute morgen im bad bei den handtüchern aufgefunden. mit zielstrebiger ruhe wollte er dort verharren, bis die schwarze katze (die mutter seiner noch ungeborenen kinder) aufsteht und ihre runde durch das haus antritt. ich habe ihm den rat gegeben, es später am tage nochmal zu versuchen (er hätte noch ein ganzes weilchen zwischen fremden handtüchern warten müssen, die beiden katzendamen geruhen erst spät aufzustehen), und warm, schwer, und ein wenig unwillig hat er sich an meine schulter geklammert, auf den hof bringen lassen und ist flugs zurück zum nachbarn getrappelt (wie behäbige kater eben trappeln, wenn sie sich beeilen). ab jetzt möchte ich jeden morgen einen dicken kater zwischen den handtüchern sitzen haben.
später am tage zieht es die glückskatze vor, sich direkt in die sonne zu begeben statt sie auf meinem bett fenstergefiltert zu sich zu nehmen. die feuerwachenbewohner denken an gartenangelegenheiten und sortieren saatgut.
der fleckenhund vergißt sich selbst und verbringt tatsächlich einige minuten ohne mich auf dem hof. ich überlege, ob ich mir kants argumentation zur widerlegung des idealismus nicht besser beim fahrradfahren durch den kopf gehen lasse. der hund ist uneingeschränkt dafür.
bin ich froh, dass es in nächster zukunft noch mehr von diesem frühlingszeug gibt.